Patriotismus war, ist und wird scheiße bleiben.


Hinterfragen wir doch mal die oben genannte These mit einem zugegebenem zynischem Unterton. Sehen wir uns Voltaire und andere „Freidenker“ unserer Vergangenheit an, so scheinen diese davon auszugehen, dass Patriotismus eine positive Wirkung besessen haben, indem sie Gruppen, rivalisierende Stämme und dergleichen geeint hätten. Seitdem sich das konstitutionelle Volk-Staaten-Geflecht etabliert hat, würde auch ein Voltaire oder ein Rousseau diesem nicht mehr zustimmen wollen. Fortan trennt Patriotismus jegliche Gemeinschaft, isoliert Mensch vom Mensch und schafft Distanz, Angst und Zweifel.Trotz dieser beklemmend anmutenden Situation wird nun progressiv das nächste Gebilde erzwungen. Die europäische Union. Welche sich als äußerst schwierig erweist- selbst geschaffenes Unglück- oder gar Glück für uns? Dass die EU die Brutstätte brauner Pestfaschismen möge hinlänglich bekannt sein.
Nationalismus ist grundlegend auf zwei Begriffen aufgebaut. Volk und Staat. Demzufolge hat Patriotismus seine Kraft verloren und jene umgekehrt, fortan dient es keiner Einigung, wie auch wenn er ein Europa der Völker, und damit Ungleichheit beschwört, sondern grenzt aus und biedert sich der Hure einem Freier gleich, dem Rassismus und Chauvinismus an. Eine Bemerkung zum Europa der Völker sei noch gestattet. Angst vor dem Zusammenbruch eigener Werte und Kultur? Nachdem ein Staat wie Deutschland viele kulturelle Eigenheiten und Gepflogenheiten von Herzogtümern, Stämmen, autarken Gebieten eingeebnet und vernichtet hat? Wer schützt nun die Kultur? Der Patriotismus, oder schützt die Kultur etwa gar jene Pestilenz selbst?
Die Fußball WM ist das beste Beispiel. Will noch wirklich jemand behaupten Vaterlandsliebe im patriotischen; oder besser ganz gleich in welchem Sinne sei nicht progressiv? Alle friedlich miteinander- doch wie lange noch, wenn „ein Volk aufsteht“ und sich zu der Theorie vom rechtmäßigen Anspruch eines Volkes auf ein bestimmtes Gebiet bekennt? Wir haben Polen besiegt, `39 und `09? Und was da noch alles aus dem gebräuchlichem „Volksmund“ zu hören war…
"Nach Erkenntnissen des Psychologen Christopher Cohrs von der Universität Jena lassen sich Menschen nicht in gute Patrioten und böse Nationalisten einteilen. Bürger, die sich stark mit ihrem Land identifizieren, so Cohrs, seien anfällig für intolerantes und ausländerfeindliches Gedankengut: "Menschen mit patriotischen Einstellungen lehnen Nationalismus nicht ab. Vielmehr geht beides oft Hand in Hand." Die Mär vom guten Patrioten – sueddeutsche.de
Meist wird im deutschen Sprachgebrauch unter dem Begriff "Volk" eine "Verkörperung geschichtlicher und kultureller gemeinsamer Entwicklung, unabhängig von politischer Begrenzung und Staatsform" (Spiegel Wissen) verstanden; oft wird er auch im Sinne von Bevölkerung, also Menschen ganz allgemein (!), die an einem bestimmten Ort leben, verwendet („Volksabstimmung&ldquo oder zur Bezeichnung der unteren Gesellschaftsschicht ("einfaches Volk", popolo im Italienischen).
Der patriotisch/nationalistische und faschistische Gebrauch dieses Wortes zielt aber immer darauf ab, eine Gemeinschaft von Menschen als "natürlich", homogen und unveränderlich darzustellen (z.B. "Südtirol - seit 1200 Jahren deutsch" oder die "deutsche Volksgemeinschaft". Er unterstellt, es gäbe eine allgemeingültige Definition davon, wer als Angehöriger gelten kann - und somit auch, wer nicht dazu gehört.
Diese Vorstellung von "Volk" ist eine Fiktion, eine Einbildung - und noch dazu eine gefährliche mit großem Konfliktpotential, die dann tödlich wirken kann, wenn versucht wird, sie zu verabsolutieren. In jedem Fall aber, egal welche „offiziellen“ Definitionen (gemeinsame Geschichte, ethnische und kulturelle Verbindung, ecc.), die mehr technischen als ideologischen Charakter haben, herangezogen werden: Es bleibt eine vom Menschen konstruierte Kategorie.
Oft wird vergessen dass Grenzen menschengemacht sind, um Misanthropie gerecht zu werden. Hält sich der „deutsche“ Vogel an die Grenzen? Der „tschechische“ Wolf? Bullshit. Oder sind Tiere wahre Antifaschisten? Aber Menschen trennen nun einmal zu gerne. Schengener Abkommen? Wohl kaum oder? Alles was in die EU rein will ist der Feind von außerhalb den wir nicht an unserem Geld teilhaben lassen dürfen.
Kulturen überlappen sich. Es gibt keine klaren Grenzen. Siehe Sprachen. Sie vermischen sich. Schweizerdeutsch, um beim Beispiel zu bleiben. Und entwickeln sich neue Kulturen aus ihren Vorgängern. Natürlicher Prozess? Indeed!
Warum ist gemäß dem Selbstbestimmungsrecht, das angeblich für alle gelten soll Bayern nicht eigenständig? Katalonien? Baskenland? Kurdistan? Fragt euch das mal wenn ihr von Patriotismus und freiheitlicher Ordnung brüllt.

21.3.09 18:26

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